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Verein LinkeHand - Erfahrungsberichte 3
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Heute ist ein besonderer Tag für mich,

denn ich habe das erste Mal seit fast 30 Jahren wieder meinen Vornamen mit der linken Hand geschrieben, ein paar andere Worte, die mir wichtig sind, das heutige Datum und ein wenig mit der linken Hand gemalt. Kleinigkeiten, die dennoch eine große Wirkung hatten und Freude auslösten, eine größere als ein toller Studienabschluss in Mindestzeit, sportliche Erfolge auf internationale Ebene und meinen Namen in Zeitungen zu lesen zusammen.

Diese Freude und Erleichterung ist unbeschreiblich, genauso wie der riesige Stein, der mir vom Herzen fiel, als ich vor ca. 1 Monat offiziell erfuhr, dass ich als Linkshänderin geboren wurde und dass es keine Einbildung oder Sturheit war, viele Dinge in meinem bisherigen Leben „mit links" zu tun.

Ich hatte das große Glück, in eine sehr tolerante Familie hineingeboren zu werden in der Vielfalt auch tatsächlich gelebt und akzeptiert wurde und wird. Da haben unterschiedliche Muttersprachen, Lebensstile und Religionen Platz und dieser Toleranz verdanke ich wohl auch, dass ich - bis zur Umschulung durch meine Volksschullehrerin - mit links malen und schreiben durfte und mir keine Fragen gestellt wurden, warum ich plötzlich wieder mit rechts schrieb und malte.

Rückblickend glaube ich sogar, dass es für meine engste Familie genauso verwirrend war wie für mich, weshalb ich im Sport zwar TrainerInnen hatte, die mich mit der linken Hand erfolgreich Handball bzw. Tennis spielen ließen aber mir MusiklehrerInnen erklärten, dass ich Instrumente völlig falsch spielte und ein musikalisch hoffnungsloser Fall bin. Kein Wunder also, warum ich den Sport geliebt und Musikinstrumente gemieden habe. Diese teilweise konträren Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich mich bei aller Liebe und Erfolgen, die ich erfahren habe, nicht wirklich wohlfühlte.

Ja, ich habe auch vor des Ergebnisses des Händigkeitstests bedürftige Menschen unterstützt, wie meine zwei SOS Kinderdorf-Patenkinder, die ich sehr gerne mag. Aber dass ich zwei wildfremden, bedürftigen Menschen, die neben mir auf einer Parkbank sitzen, spontan einen Geldschein gebe, damit sie sich selbst eine Freude machen, ist mir noch nie passiert. Das ganze war spontan und bei Gott keine Heldentat, denn ich wurde reichlich beschenkt: mit ehrlicher Dankbarkeit meiner Parkbanknachbarn und mit der Gewissheit, dass ich jetzt authentischer bin.

Ich habe keine Ahnung, ob ich mich für eine „Rückschulung auf links" entscheiden werde, und wenn ja, ob/wie erfolgreich ich dabei sein würde. Aber das macht mir nichts aus, denn so oder so ist meine Lebensqualität - seit ich weiß dass ich geborene und nicht „gescheiterte" Linkshänderin bin - enorm gestiegen. Und dafür bin ich meiner geduldigen und sehr verständnisvollen Händigkeitsberaterin SEHR dankbar!


Felicia - Juli 2012

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